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Doping im Freizeitsport

10 bis 20 Prozent der Freizeitsportler haben schon einmal gedopt, schätzen Experten. Wo Doping anfängt, welche Risiken es birgt und wie es sich verhindern lässt. 

Endlich! Heute ist der große Tag, das erste Mal einen Marathon laufen! Es gibt nur ein Problem: Die Beine schmerzen – schon vor dem ersten Meter. Ob es an dem Training von gestern liegt oder an einer Erkältung, ist egal. Das wird einen nicht aufhalten. Eine Schmerztablette einwerfen und los geht’s!

Einmal ein Schmerzmittel am Tag des Marathons einnehmen, ist das schon Doping? „Streng genommen ist das in der Tat bereits ein Medikamentenmissbrauch“, sagt Professor Perikles Simon, Leiter der Abteilung für Sportmedizin an der Universität Mainz. Und es nehmen weit mehr Freizeitsportler Medikamente zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit ein, als es den Anschein hat.

Dabei geht es nicht nur um eine einmalige Einnahme, sondern auch um regelmäßiges Nutzen von Pillen, welche die sportliche Leistung steigern sollen. Zwar gibt es dazu bislang nur unzureichende Daten, aber erste Studien zeichnen ein erschreckendes Bild. So geht Simon davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der Freizeitsportler schon einmal gedopt haben, indem sie mindestens ein Medikament zur Leistungssteigerung genommen haben.

Schmerzmittel, Hormone, Appetitzügler

Beim Dopen greifen Freizeitsportler auf verschiedene Substanzen zurück. Beliebt sind – wie gesagt – frei verkäufliche Schmerzmittel. Sie dämpfen die Schmerzen, die etwa durch Überbelastung hervorgerufen werden. Auch Aufputschmittel aus der Gruppe der Amphetamine und sogenannte anabole Steroide werden eingesetzt, sie unterstützen das Muskelwachstum.

Zu den härteren Dopingmitteln gehören Substanzen wie das Hormon Erythropoetin, kurz Epo, das die Bildung von Blutzellen steigert und damit die Leistung erhöht. Epo steht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Unter Frauen sind Appetitzügler verbreitet. Alle Substanzen haben im Wesentlichen zwei Funktionen: eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und eine Dämpfung der Warnsignale des Körpers bei Überbelastung.

Auch wenn Schmerzmittel ohne Rezept eingenommen werden dürfen, ist ihre Anwendung zur Leistungssteigerung im Sport der eigenen Gesundheit gegenüber fahrlässig. Denn sie können trotzdem erhebliche Nebenwirkungen haben. Schmerzmittel wie Ibuprofen schädigen die Magenschleimhaut, was zu Blutungen und im schlimmsten Fall zum Tode führen kann.

Selbst Nahrungsergänzungsmittel können gefährlich sein

Anabole Steroide, Hormone also, die überwiegend von Männern zum schnelleren Muskelaufbau eingenommen werden, können den ganzen Körper aus dem Gleichgewicht bringen und zu Bluthochdruck führen. Und selbst einfache Aufputschmittel wie Koffein bergen Gefahren: Die Unfall- und Überlastungsgefahr steigt, weil man durch die Aufputschmittel dazu verleitet wird, die natürlichen Grenzen des Körpers zu überschreiten.

„Nahrungsergänzungsmittel können die Leistungsfähigkeit sogar senken.

Professor Perikles Simon, Sportmediziner

Vermeintlich harmlose Nahrungsergänzungsmittel werden von Freizeitsportlern ebenfalls gerne eingenommen und können erhebliche Nebenwirkungen verursachen. „Wer zum Beispiel deutlich mehr Zink aufnimmt als die empfohlene Tagesdosis, läuft Gefahr, dass die Transportmoleküle im Darm, die für die Aufnahme von Eisen zuständig sind, von Zink blockiert werden“, sagt Simon. Er stellt auf Basis verschiedener Studien bei etwa 20 Prozent der Freizeitsportler fest, die eine deutlich zu hohe Mineralienzufuhr inklusive Eisen aufweisen, dass ein Eisenmangel vorliegt. Und dieser senke die Leistungsfähigkeit. Wissenschaftlich belegt sei zudem, dass zu viel Zink die Kupferaufnahme blockiere.

Medikamente steigern die Leistungsfähigkeit nicht dauerhaft

Oft sind die Nebenwirkungen unbekannt, doch selbst aufgeklärte Freizeitsportler nehmen sie trotzdem in Kauf. Das kann vielfältige Gründe haben. Da ist einmal eine Art Gruppendruck: Simon hat von Lauftrainern gehört, dass die Mitglieder von Freizeit-Laufgruppen diskutieren, wie und in welcher Form Epo am besten wirkt. Verschreibungspflichtige Medikamente stellen für viele Hobbysportler dabei kein Hindernis dar. „Manchen Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom verschreibt man zum Beispiel Mittel, die die Aufmerksamkeit und die Leistungsfähigkeit steigern. Die nehmen dann die Väter, um beim Fußball zu glänzen“, sagt Simon.

„Es kommt nicht selten vor, dass der Vater die Medikamente seiner Kinder wegnascht.“

Professor Perikles Simon, Sportmediziner

Experten sind sich einig: Die Leistungsfähigkeit im Sport lässt sich mit Medikamenten nicht dauerhaft steigern. Nachhaltig besser wird man am ehesten, indem man kontinuierlich richtig trainiert. „Wer regelmäßig und richtig trainiert, der kann seine natürlichen Grenzen oft bei bester Gesundheit voll ausreizen“, sagt Simon. Und richtig trainieren heißt auch Pausen machen. Wenn die Beine schwer sind, ist der Körper wahrscheinlich müde. Ein Signal, dass jeder Sportler akzeptieren sollte.

Beratung statt Doping

Wer bereits regelmäßig Medikamente nimmt, um im Sport besser abzuschneiden, kann mit professioneller Hilfe oft rasch aus der Misere herausfinden. Anlaufstellen hierfür sind die Fitnessberatung der AOK Baden-Württemberg oder regionale Suchtberatungsstellen. Programme für das richtige Training liefert der Fitness-Coach.

Bild Copyright ©: A_Bruno, adobe.stock.com

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