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Entscheidungen treffen leicht gemacht

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Zum Glück gibt es in der Entscheidungspsychologie Tipps und Regeln, die das Für oder Wider leichter machen. 

Den EINEN guten Grund finden

Ziffer 1

Soll ich den Job wechseln oder lieber meine aktuelle Arbeit behalten? Wer die Wahl hat, steht oft zwischen den Stühlen – gerade bei so weitreichenden Fragen wie dem Job. Psychologe Gerd Gigerenzer empfiehlt in so einem Fall, den einen Grund zu finden, der den Ausschlag gibt. Hier können sogenannte Faustregeln helfen – im Fachjargon auch Heuristiken. Eine davon ist die Faustregel „Take the best“.

Stellen Sie sich ein Quartettspiel vor: Sie sammeln relevante Kriterien, um A und B zu vergleichen. Danach sortieren Sie die Kriterien nach Wichtigkeit. Anschließend vergleichen Sie. An der ersten Stelle, wo ein Kriterium für A bzw. B spricht, treffen Sie die Entscheidung. Das ist dann der eine gute Grund.

Lassen Sie die Zeit entscheiden

Ziffer 2

Sie stehen vor dem Kleiderschrank und überlegen ob Rock oder Hose? Wollpulli oder Shirt? Rot oder Grün? Lassen Sie sich morgens nicht wegen der Kleiderfrage stressen. Wer länger als fünf Minuten vor dem Schrank brütet, soll sich für das Nächstbeste entscheiden und mit der Entscheidung für einen Tag leben. Wenn man selbst mit dem Outfit gehadert hat, freuen einen Komplimente von den Kollegen oder der Familie umso mehr. 

Weniger ist mehr

Ziffer 3

Oft hindern uns zu viele Informationen an einer schnellen Entscheidung: Wir vergleichen, sammeln Fakten und verlieren am Ende den Überblick. Dass Entscheidungen leichter fallen, wenn man weniger weiß oder weniger zur Auswahl hat, bewies die US-Psychologin Sheena Iyengar mit einem einfachen Experiment: Kunden, die in einem Laden sechs Marmeladen verkosten durften, kauften mehr als diejenigen, die bis zu 30 Sorten probierten.

Die Kunden, die weniger Auswahl hatten, waren am Ende sogar zufriedener mit ihrer Wahl. Wer also bei einer Entscheidung von vornherein die Auswahl eingrenzt, macht sie sich leichter und ist mit dem Ergebnis häufig sogar glücklicher.

Auf das Bauchgefühl hören

Ziffer 4

Tatsächlich ist unser Bauch ein ziemlich guter Ratgeber, wenn es um Entscheidungen geht. Das Bauchgefühl hat noch einen zweiten Namen: Intuition – diese Ahnung, die plötzlich auftaucht und uns sagt, was wir tun müssen, ohne dass wir wissen, warum.

Das stimmt aber nicht ganz, denn die Intuition nährt sich aus Wissen und Erfahrungen, die man im Laufe des Lebens gesammelt hat, weiß Gigerenzer. Sie ist umso verlässlicher, je mehr man sich auf einem Gebiet auskennt. Der größte Vorteil aber ist: Der Bauch entscheidet schnell. Wer sich darauf einlässt, spart viel Zeit bei einer Entscheidung.

Ist das die richtige Entscheidung?

Ziffer 5

Diese Frage können Sie im Vorfeld nie beantworten. Es sei denn, Sie berechnen die ideale Entscheidung anhand verschiedener Methoden, Formeln und Statistiken. Ist eher unrealistisch. Ob eine Wahl gut oder schlecht war, entscheidet also eher der Sprung ins kalte Wasser.

Dass dieser Mut durchaus belohnt wird, zeigt eine Studie des Ökonomen Steven Levitt von der University of Chicago. Er ließ seine Probanden mit einer Münze lebensübergreifende Veränderungen entscheiden. Das Ergebnis: Diejenigen, die aufgrund dessen ihren Job gekündigt oder ihre Beziehung beendet hatten, fühlten sich besser als diejenigen, die nichts veränderten.

Mit der Entscheidung leben

Ziffer 6

Ist die Reise nach Asien interessanter oder das teure Fitnessstudio besser? Eine Entscheidung kann durchaus das Gefühl wecken, etwas zu verpassen. Scheinen nicht gewählte Optionen ständig attraktiver, bezeichnet das die Psychologie als Nachentscheidungskonflikt. Dieser tritt vor allem bei Kaufentscheidungen auf, weil sie oft rational gefällt werden. Für ein besseres Gefühl wird dann nach Argumenten gesucht, um die eigene Wahl zu rechtfertigen.

Anders verhält es sich mit den sogenannten Maximierern. Das sind Menschen, denen es grundsätzlich schwerfällt, sich mit gewählten Optionen zufrieden zu geben. Die Angst vor verpassten Chancen oder besseren Gelegenheiten hält sie im Griff. Das macht sie häufig auch unzufriedener mit ihren Entscheidungen. Laut einer wissenschaftlichen Studie der US-Psychologen Jeffrey Hughes und Abigail A. Scholer hilft den Maximierern für mehr Lebensglück nur eins: bereits verworfene Optionen einfach abhaken und sich auf den Nutzen der Entscheidung konzentrieren.

Entscheidungspsychologie zum Ausprobieren

Ziffer 7

Wie oft haben Sie sich schon gewünscht, eine Entscheidung mit einem einfachen Münzwurf zu klären? Das geht, probieren Sie es aus! Sie weisen jeder Münzseite eine von zwei Wahlmöglichkeiten zu. Dann werfen Sie die Münze in die Luft. Noch bevor die Münze zu Boden fällt, spüren Sie in der Regel, welche Alternative nicht eintreten sollte. Sie haben die Wahl intuitiv getroffen – unabhängig davon, was die Münze sagt. 

 

Bilder:
Getty Images/iStockphoto - © nattaponsukjit
Getty Images/iStockphoto - © STILLFX
Stocksy - © Ivo de Bruijn

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