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Vegane Fertigprodukte unter der Lupe

Vegan liegt im Trend. Die Lebensmittelindustrie reagiert mit einer großen Palette an Fertigprodukten. Aber nicht alles, was vegan ist, ist auch gesund. 

Ob Käse-Imitat, Sojaburger oder Knackwürstchen aus Lupinensamen: Das Angebot veganer Ersatzprodukte für Fleisch, Fisch, Wurst, Milch und Käse füllt ganze Supermarktregale. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat einige dieser Lebensmittel genauer betrachtet und kommt zu dem Ergebnis: Die Qualität und der gesundheitliche Nutzen veganer Produkte sind sehr unterschiedlich. Nur weil etwas vegan ist, ist es nicht automatisch auch gesund. Es gibt sehr gute, innovative Produkte, aber auch welche mit fraglichem Inhalt. 

Fleischersatz mit viel Fett und Salz

Fleischersatzprodukte wie Seitan-Bratwürste, Veggie-Burger, Cevapcici- und Gyros-Alternativen auf Sojabasis enthalten teilweise viel ungesundes Fett aus Kokosfett und Palmöl. Einige Produkte sind extrem salzig. Da kommt die Ration von sechs Gramm Salz pro Tag schnell zusammen, was das empfohlene Maximallimit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist. Für den bouillonartigen Geschmack setzen die Hersteller zum Teil Hefeextrakt ein, der ähnlich geschmacksverstärkend wirkt wie Natriumglutamat. Zusatzstoffe und Aromen sollen Aussehen, Konsistenz und Geschmack von Fleisch und Käse künstlich nachahmen.

„Manche dieser Produkte haben ein sehr ungünstiges Nährwertprofil und sollten daher nicht zu häufig auf dem Teller landen“, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Ernährungsexpertin empfiehlt deshalb den Blick auf die Zutatenliste und auf die Nährwertangaben: „Es gibt durchaus auch Ersatzprodukte mit vielen gesunden Inhaltsstoffen, die gegenüber dem tierischen Pendant wesentlich besser abschneiden.“

Stark industriell verarbeitet

Die Basis der Fleisch- und Käse-Imitate besteht meist aus Sojabohnen, Lupinensamen, Weizen oder Dinkel. Die Hülsenfrüchte und das Getreide sorgen dafür, dass das Imitat ähnlich viel Eiweiß liefert wie tierische Produkte. Hochwertiges Protein aus pflanzlichen Quellen – das lässt jedes Veganerherz höher schlagen! Doch die Sache hat einen Haken: Damit die Produkte sich im Mund auch wie Fleisch, Wurst oder Käse anfühlen, müssen die Bohnen, Samen und Körner mit großem Energieeinsatz industriell aufbereitet werden. 

Frische Kost ist die bessere Wahl

„Das alles passt nicht zu einer natürlichen, klimabewussten Lebensweise, die mit der Entscheidung für eine vegane Ernährung eigentlich untrennbar verbunden sein sollte“, findet Professor Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler und Experte für alternative Ernährungsformen. Allenfalls für Neu-Einsteiger in die Pflanzenkost seien solch stark verarbeitete Produkte sinnvoll, da sie den Verzicht auf Fleisch gerade zu Beginn etwas erleichtern könnten: „Es spricht ja nichts dagegen, sich ab und zu mal ein Tofuwürstchen auf den Grill zu legen. Viel leckerer und auf Dauer gesünder ist es aber, mit frischen Zutaten zu kochen.“

Und es schont die Geldbörse. Soja-Frikadelle, Veggie-Scampi und Co. sind ja nicht gerade zum Schnäppchenpreis zu haben. Warum also nicht lieber das gesparte Geld in einen veganen Kochkurs investieren? Das bringt jede Menge Anregungen fürs Kochen zuhause und ist eine gute Gelegenheit zum Austausch mit anderen Veganern.

 

Titelbild: fotolia - © Omar Kulos

     

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