Bild zu Wildkräuter sammeln

Wildkräuter sammeln

Die freie Natur bietet einen wahren Schatz an essbaren Wildkräutern. Lassen Sie sich von den Aromen und unserem Rezept für Sauerampfersuppe verführen. 

Wenn sich im März die zarten Blättchen des Bärlauchs durch den feuchten Boden drücken, lockt ihr Knoblauchduft Feinschmecker in die Wälder Baden-Württembergs. Er bringt frisches Grün in die Frühlingsküche und ist gesund. Seine schwefelhaltige Aminosäure wirkt sich günstig auf Blutfettwerte und Blutdruck aus und hilft bei Verdauungsbeschwerden.

„Nahezu alle essbaren Wildkräuter sind gut für unsere Gesundheit“, sagt Claudia Blind, Ernährungsexpertin bei der AOK Baden-Württemberg. „Nach der kalten Jahreszeit bringen sie den Stoffwechsel wieder in Schwung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Vitamin- und Mineralstoffversorgung.“ 

Wo Wildkräuter wachsen

Die Vielfalt an essbaren Pflanzen in der freien Natur ist riesig. Auf fast jeder Wiese finden sich Schafgarbe, Wegeriche, Gänseblümchen, Wiesensalbei und Labkraut. Am Wald- und Wegesrand wächst Brennnessel, an warmen Hängen Wilder Majoran, im Wald Sauerklee.

Bis zu 50 verschiedene Arten findet Dr. Christine Volm auf einer Wanderung. Wildpflanzen zu verzehren ist für die Gartenbauwissenschaftlerin aus Sindelfingen keine Modeerscheinung: „Die unscheinbaren Kräuter, Blätter von Bäumen, Samen und Wurzeln sind die ursprüngliche Nahrung des Menschen.“

Wildkräuter auf Fensterbank, Balkon & Co.

Viele heimische Wildpflanzen wie Vogelmiere, Wegeriche und Malve werden in Balkonkästen oder im Gartenbeet angebaut. „Für die Kultur in Töpfen braucht es die passende Erde für die jeweilige Pflanzenart sowie den geeigneten Standort“, rät Volm. So wächst etwa Giersch nur auf lehmigem Boden und im Halbschatten. 

Häufig im Küchenkräuterbeet zu finden ist auch die Pimpinelle - ein beliebtes Salatkraut. In einem Garten, in dem es stellenweise wild zugehen darf, siedeln sich Wildpflanzen meist von alleine an.

Viele Vitamine und Heilkräfte

Für AOK-Ernährungsberaterin Blind ergänzen Wildkräuter das Kulturgemüse optimal. Ihr hoher Mineral- und Vitamingehalt machen sie besonders wertvoll. „So enthält das Gänseblümchen dreimal so viel Kalium und fünfmal so viel Kalzium wie Kopfsalat“, betont Blind. Auch in Sachen Vitamin C lassen die Wilden aus heimischer Flora das Gemüse vom Händler weit hinter sich.

„Die zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe in Wildkräutern wie Flavonoide, Saponine und Bitterstoffe schützen die Zellen, lösen Schleim, hemmen Entzündungen und fördern die Verdauung“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin. „Reichlich enthalten sind diese Stoffe in Löwenzahn, Schafgarbe und Gänseblümchen.“

Wildkräuter sammeln

Gute Sammelplätze lernt man bei Wildkräuterexkursionen kennen, zum Beispiel mit Expertin Volm. An Stellen weit weg von Autoabgasen, mit wenig Hundeverkehr und ohne Beweidung oder Düngung können Sammler bedenkenlos zugreifen.

Tabu hingegen sind Orte, bei denen der Einsatz von Pestiziden nicht ausgeschlossen werden kann, und auf Privatflächen. Wichtig ist, niemals alle Pflanzen an einem Standort abzuernten oder gar mit Wurzel auszureißen. So bleibt die Art dort erhalten.

Wenn Volm auf Sammeltour geht, hat sie mehrere schadstofffreie Kunststoffgefäße dabei, um die Pflanzen getrennt voneinander aufzubewahren, sortiert nach Blüten, Blättern und Wurzeln. Zum Lagern im Kühlschrank empfiehlt sie Glas statt Plastik. Die Wildkräuter sollten dann innerhalb von ein bis zwei Tagen nach dem Sammeln verarbeitet werden.

Vorsicht Verwechslungsgefahr!

Insbesondere, wer nicht den geübten Blick und die feine Nase des Kräuterkenners hat, muss beim Sammeln vorsichtig sein. Volm empfiehlt, nur die Pflanzen mitzunehmen, die man sicher bestimmen kann und die zweifellos essbar sind. Dies gilt besonders beim Pflücken von Bärlauch, der immer wieder mit seinen giftigen Doppelgängern, dem Aronstab, Maiglöckchen oder der noch gefährlicheren Herbstzeitlosen, verwechselt wird. Sie sprießen oft zur gleichen Zeit und in direkter Nachbarschaft zum Bärlauch. Ein Fehlgriff kann tödlich sein.

Wildkräuter lassen sich einfach zubereiten. Egal, ob Smoothie, Suppe, Salat, Pizza, Cannelloni, Pudding, Eis, Schokolade oder Torte. Die Pflanzenteile schmecken nicht nur roh am besten, sie behalten so auch alle ihre wertvollen Nähr- und Wirkstoffe. Deshalb sollten sie bei gekochten Gerichten erst am Schluss frisch dazugegeben werden.

Kaltes Sauerampfersüppchen mit Frühlingsblüten

Bild zu Sauerampfersüppchen mit Frühlingsblüten

Zutaten: 1 Staudensellerie, 2 Avocados der Sorte Hass, 1 bis
2 Handvoll junge Sauerampferblätter, 5 Blätter Bärlauch (oder
½ kleine Knoblauchzehe), 1 Messerspitze geriebene Muskatnuss, 1 Messerspitze schwarzer Pfeffer, Blüten von Veilchen, Gänseblümchen, Wiesen-Schaumkraut und Schlüsselblumen

Zubereitung: Staudensellerie entsaften, Saft mit Avocados, Blättern und Gewürzen pürieren. Sollte der Selleriesaft nicht ausreichen, etwas Wasser zugeben. Die Frühlingsblüten darüberstreuen. Nach Geschmack salzen. Achtung! Schlüsselblumen sind laut Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Daher nur direkt aus dem Garten verwenden – oder darauf verzichten.

Bild und Rezept:
Christine Volm: "Meine liebsten Wildpflanzen rohköstlich". Ulmer-Verlag 2013.
Ein Exemplar des Buches können Sie bei unserem Quiz gewinnen.

Titelbild: fotolia - © fotoknips 

Seitenspalte

     
     
     
 
close
close
close
close
Ihre Lesezeichen