Die Heilkraft des Singens

Der Verein „Singende Krankenhäuser“ engagiert sich fürs Singen in Gesundheitseinrichtungen, denn Gesang stärkt Körper und Geist, ob alt, krank oder beeinträchtigt.

An der Psychiatrischen Klinik Christophsbad in Göppingen fing alles an: 2006 rief Musiktherapeut Wolfgang Bossinger hier eine Singgruppe ins Leben. Ein Angebot, das bei Patienten, Pflegepersonal und Medizinern großen Anklang fand. Hautnah konnten die Laiensänger erleben, wie positiv sich gemeinsames Singen auf Körper und Psyche auswirken kann.

Auf Initiative von Wolfgang Bossinger wurde 2010 das Gesundheitsprojekt „Singende Krankenhäuser e. V.“ gegründet, ein internationales Netzwerk zur Förderung des Singens in Gesundheitseinrichtungen. Seither setzt sich der Verein für heilsame Singangebote ein – unter anderem in Krankenhäusern, Altenheimen und Behinderteneinrichtungen.

 

Singen und Gefühle wecken

Unter Leitung eigens vom Verein ausgebildeter Singleiter wird in rund 50 Gesundheitseinrichtungen gemeinsam gesungen. „Es geht nicht um Leistung. Keiner muss musikalische Vorkenntnisse haben oder Noten lesen können, um mitzumachen“, sagt Musiktherapeut und Vereinsvorsitzender Norbert Hermanns, der an der Uniklinik Köln mit Krebspatienten singt.

„Musik ist die Sprache der Gefühle. Durch heilsames Singen in der Gruppe bekommen viele kranke Menschen einen anderen Zugang zu ihrer Gefühlswelt. Zudem stärkt Singen den Teamgeist, hilft beim Stressabbau und häufig auch bei der Krankheitsbewältigung“, weiß Hermanns.

Neben festen therapeutischen Singgruppen, gibt es vielerorts auch offene Singgruppen. Hier sind Patienten, Mitarbeiter, Angehörige und Gäste gleichermaßen willkommen.

 

Singen und Krankheiten verarbeiten

Vom heilsamen Singen können kranke Menschen profitieren: Krebspatienten, Menschen mit Demenz, Parkinson und Atemwegserkrankungen, psychisch Kranke, Schlaganfall-Patienten, behinderte, alte und pflegebedürftige Menschen gehören dazu.

„Bei Demenzkranken kann Singen Erinnerungen wecken, bei Menschen mit Atemwegserkrankungen die Sauerstoffversorgung verbessern“, nennt Hermanns zwei der vielen positiven Effekte.

 

Ob Arzt oder Patient: Singen verbindet

Im Klinikum Christophsbad, das 2011 als erstes „Singendes Krankenhaus“ in Baden-Württemberg vom Verein zertifiziert wurde, geht es mit Stimmübungen zum Aufwärmen los, ehe dann einfache Lieder aus verschiedenen Kulturkreisen angestimmt werden. Bewegungen und kleine Tanzschritte sorgen zusätzlich für gute Stimmung.

„Oft kommen in der Klinikkapelle 60 bis 80 Menschen zusammen“, freut sich Gesangspädagogin Vera Kimmig, Vorstandsmitglied von „Singende Krankenhäuser“. „Das ist eine tolle Atmosphäre, vor allem, weil es keine Berührungsängste und Unterschiede gibt. Ob man Patient oder Arzt ist, spielt beim Singen eben keine Rolle.“

 

Prominente unterstützen den Verein

Allein in Baden-Württemberg hat der Verein mittlerweile rund 20 Gesundheitseinrichtungen als „Singendes Krankenhaus“ bzw. „Singendes Altenheim“ zertifiziert. Nicht zuletzt durch die Unterstützung prominenter Köpfe wie Kabarettist Eckart von Hirschhausen und Gerlinde Kretschmann, Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und selbst passionierte Kirchenchor-Sängerin. Sie ist die Schirmherrin des Vereins.

Dass sich immer mehr Gesundheitseinrichtungen für Singgruppen entscheiden, wünschen sich Norbert Hermanns und seine Kollegen. „Wenn selbst schwerstkranke Menschen gestärkt und ein wenig zuversichtlicher aus der Singstunde gehen, weiß ich, dass meine Arbeit sinnvoll und wichtig ist“, sagt er.

Webadresse des Vereins: www.singende-krankenhaeuser.de/

 

Teaserbild: fotolia - © hreniuca 

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