Laktose, Fruktose und Gluten

Ihnen grummelt‘s öfter im Bauch? Sie vermuten eine Unverträglichkeit? Erst die Diagnose einholen, bevor Sie Laktose, Fruktose oder Gluten vom Speiseplan streichen.

Manchmal ist es nur ein Infekt oder man hat zu viel oder zu schnell gegessen. Ab und zu schlägt einem auch der Alltag auf den Magen. Wenn der Bauch jedoch regelmäßig rumort, lohnt es sich, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Denn wenn eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Lebensmittel dahintersteckt, lassen sich die Probleme in der Regel gut in den Griff kriegen.


Laktoseunverträglichkeit

Laktose ist die chemische Bezeichnung für Milchzucker. Während Säuglinge und Kinder Laktose in der Regel gut vertragen, macht sie manchen Erwachsenen Probleme. Der Grund: Milchzucker muss von einem Enzym in seine Bestandteile gespalten werden, damit der Körper ihn aufnehmen kann. Bildet der Mensch nicht ausreichend viel von diesem Enzym, gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm. Dort kann er beispielsweise Völlegefühl, Blähungen und Durchfall auslösen.

 

Wie viele Menschen sind betroffen?

Während in Teilen Asiens und Afrikas die meisten Erwachsenen keine Laktose mehr vertragen, macht der Milchzucker in Deutschland deutlich weniger Menschen zu schaffen: Rund 15 bis 20 Prozent bilden nicht mehr ausreichend Laktase-Enzym, um den Milchzucker problemlos zu verdauen.

 

Wie wird die Laktoseintoleranz erkannt?

Wer vermutet, dass er auf Milchzucker empfindlich reagiert, sollte keinesfalls einfach alle Milchprodukte weglassen, sondern die Diagnose erst durch einen Arzt absichern lassen. Hilfreich ist hierfür ein Ernährungstagebuch.

Besteht der Verdacht auf eine Unverträglichkeit, kann der Arzt einen sogenannten H2-Atemtest durchführen. Dabei muss der Patient eine Flüssigkeit mit Milchzucker trinken. Der Arzt untersucht davor und danach den Wasserstoffanteil in dessen Atemluft. Ein erhöhter Wert nach dem Getränk deutet auf eine Verdauungsstörung hin.

 

Was muss ich bei einer Laktoseintoleranz meiden?

Wenn der Arzt eine Laktoseintoleranz feststellt, sollte jeder im nächsten Schritt – am besten gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft – herausfinden, wie viel Milchzucker er tatsächlich noch verträgt. Denn das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Vielen macht ein Schluck Milch im Kaffee noch keine Probleme, wohl aber ein ganzes Glas.

Generell müssen vor allem die Milchprodukte reduziert werden. Dazu gehören außer Milch Sahne, Schmand, Molke, Quark, Pudding, Speiseeis sowie viele Käsesorten. Milchzucker wird aber auch anderen Produkten zugesetzt und verbirgt sich auf der Zutatenliste etwa hinter Begriffen wie Laktose, Milchpulver, Molkepulver oder Rahm.

 

Wo darf ich weiterhin zugreifen?

Einige Milchprodukte sind von Natur aus laktosearm und werden von vielen Betroffenen gut vertragen. Dazu gehören lange gereifte Hart- und Schnittkäse, Butter und auch Joghurt, Kefir oder Sauermilch. Außerdem gibt es im Handel mittlerweile viele „laktosefreie“ Milchprodukte. Auch Soja-, Reis- oder Hafermilch sind eine Alternative. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Kartoffeln, Nudeln, Fleisch, Eier und Fisch enthalten keinen Milchzucker.

 

Worauf sollte ich besonders achten?

Milchprodukte liefern dem Körper viel Kalzium, das für die Knochen, aber auch für die Arbeit von Muskeln und Nerven wichtig ist. Wer auf Milch verzichtet, sollte vermehrt andere kalziumreiche Lebensmittel essen. Dazu gehören: kalziumreiches Mineralwasser (mindestens 150 mg/l), Gemüse und Kräuter wie Brokkoli, Lauch, Grünkohl, Petersilie, Kresse oder Schnittlauch, Vollkornprodukte sowie Nüsse.



Fruktosemalabsorption

Obst ist gesund. Aber zu viel des Guten kann bei manchen Menschen problematisch sein. Sie können größere Mengen an Fruchtzucker nicht gut verdauen. Denn bei der sogenannten Fruktosemalabsorbtion ist der Transportmechanismus vom Fruchtzucker ins Blut gestört. Je nachdem wie stark die Funktion eingeschränkt ist, gelangt mehr oder weniger viel Fruktose in tiefere Darmabschnitte und sorgt für Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfälle.

 

Wie viele Menschen sind betroffen?

Jeder, der schon einmal richtig viel Obst gegessen hat, wird die Blähungen und Darmbeschwerden kennen, die darauf folgen. Denn der Körper kann generell nur eine gewisse Menge Fruchtzucker – etwa 35 bis 50 Gramm – verdauen.

Von einer Fruktosemalabsorption spricht man, wenn diese Obergrenze auf weniger als 25 Gramm Fruchtzucker reduziert ist. Das ist bei etwa 30 Prozent der Erwachsenen der Fall. Doch Vorsicht: Das heißt keinesfalls, dass Betroffene vollständig auf Obst verzichten müssten. Man sollte die Fruchtzuckeraufnahme nur so weit wie nötig reduzieren.

 

Wie wird Fruktosemalabsorption erkannt?

Wie bei allen Darmbeschwerden ist es hilfreich, zunächst ein 14-tägiges Ernährungstagebuch zu führen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Wichtig ist es, sich in dieser Zeit normal zu ernähren und erst mal nicht einzuschränken.

Besteht der Verdacht auf eine Unverträglichkeit, kann der Arzt einen sogenannten H2-Atemtest durchführen. Dabei muss der Patient eine Flüssigkeit mit 25 Gramm Fruchtzucker trinken. Davor und danach wird der Wasserstoffanteil in dessen Atemluft untersucht. Ein erhöhter Wert nach dem Getränk deutet auf eine Verdauungsstörung hin.

 

Was muss ich bei der Fruktosemalabsorption meiden?

Ganz wichtig ist: Die meisten Betroffenen vertragen kleinere Mengen Fruchtzucker. Deshalb muss jeder individuell herausfinden – am besten gemeinsam mit einer Ernährungsfachkraft –, was ihm noch bekommt. Ganz auf Obst zu verzichten wäre der falsche Weg, da dadurch viele Vitamine und weitere wertvolle Inhaltsstoffe entfallen würden.

Obstsorten mit besonders viel Fruchtzucker wie Birnen, Äpfel oder Trockenfrüchte sowie Fruchtsäfte können schneller zu Problemen führen. Außerdem ist Fruktose vielen Produkten wie zum Beispiel Fruchtjoghurts zugesetzt. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Übrigens können auch Süßungsmittel wie Sorbit bei Betroffenen Beschwerden auslösen.

 

Wo darf ich weiterhin zugreifen?

Um alle wichtigen Vitamine und Nährstoffe aufzunehmen, empfiehlt es sich, vermehrt Gemüse zu essen. Auch einige Obstsorten enthalten von Natur aus wenig Fruchtzucker. Dazu gehören Aprikosen, Zitrusfrüchte, Nektarinen oder Honigmelone. Außerdem werden Früchte, die zu gleichen Anteilen Frucht- und Traubenzucker enthalten, gut vertragen – beispielsweise die Banane.

 

Worauf sollte ich besonders achten?

Da sowohl Fruktose als auch Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit vielen Lebensmitteln zugesetzt sind, empfiehlt es sich, immer genau die Zutatenliste zu studieren. Gerade „zuckerfreie“ oder „zuckerarme“ Produkte enthalten zwar keinen normalen Haushaltszucker, dafür aber andere Süßungsmittel.

Fruktose verbirgt sich auch hinter den Bezeichnungen Fruktosesirup, Stärkesirup, Invertzucker und Apfel- oder Birnenkraut. Auch folgende Zuckeraustauschstoffe können Probleme machen: Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit, Laktit, Xylit.



Zöliakie: Unverträglichkeit von Gluten

Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen ist ein wichtiger Bestandteil unseres Essens. Es gibt jedoch Menschen, die ein bestimmtes Eiweiß in heimischen Getreidesorten nicht vertragen – das Gluten. Bei einer sogenannten Zöliakie lösen kleinste Mengen Gluten im Darm Entzündungen aus und schädigen die Zellen. Dadurch kommt es zu heftigen Verdauungsproblemen und auf Dauer zu Mangelerscheinungen.

 

Wie viele Menschen sind betroffen?

Von einer Zöliakie, auch Einheimische Sprue oder Glutensensitive Enteropathie genannt, sind nur etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung betroffen. Sie müssen sich strikt glutenfrei ernähren. Wer keine Zöliakie hat, würde sich durch das Weglassen von heimischen Getreideprodukten jedoch viel zu sehr einschränken.

 

Wie wird Zöliakie erkannt?

Bei Verdacht auf Zöliakie ist ein Bluttest der erste Schritt, um zöliakietypische Antikörper nachzuweisen. Zum Teil sichert der behandelnde Arzt die Diagnose zusätzlich durch eine Gewebeprobe aus der Dünndarmschleimhaut (Biopsie) ab.

 

Was muss ich bei Zöliakie meiden?

Die Zöliakie kann nur durch einen kompletten Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel behandelt werden. Dadurch kann sich die geschädigte Darmschleimhaut wieder aufbauen und die Beschwerden verschwinden.

Zu den glutenhaltigen Getreidesorten gehören Weizen und Weizenabkömmlinge wie Kamut, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern sowie daraus hergestellte Lebensmittel wie Grieß, Flocken, Mehl, Couscous etc. Vorsicht ist auch bei allen verarbeiteten Lebensmitteln geboten, die Spuren von Weizen & Co. enthalten könnten.

 

Wo darf ich weiterhin zugreifen?

Mittlerweile gibt es zahlreiche als „glutenfrei“ gekennzeichnete Produkte. Viele Lebensmittel enthalten auch von Natur aus kein Gluten. Dazu gehören die Getreidearten Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth und Buchweizen. Außerdem auch Kartoffeln, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte (inklusive Soja), Milchprodukte, Nüsse, Öl, Butter, Eier und Fleisch.

 

Worauf sollte ich besonders achten?

Wer nicht unter Zöliakie leidet, sollte sich keinesfalls streng glutenfrei ernähren, da dies die alltägliche Ernährung unnötig stark einschränken würde. Tatsächlich gibt es auch Menschen mit einer „Weizensensitivät“. Diese wird nach neuesten Forschungen allerdings nicht durch Gluten ausgelöst. Etwas weniger Pasta, Weißbrot und Pizza können hier schon helfen.



     

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