Bild zu Unsere nächtlichen Schlafphasen

Unsere nächtlichen Schlafphasen

Was bedeuten die REM- und NonREM-Phasen, die wir zwischen Tag und Nacht durchwandern, und wann sind wir tatsächlich wie gelähmt? 

Der Sandmann ist bei den Germanen der mythische Gott des Schlafes. Sein Bruder, der Sensenmann, bringt den Tod. Die mythologisch nahe Verwandtschaft zwischen Tod und Schlaf zeigt, dass die meisten Menschen erwarten, dass ihr Schlaf ein todesähnlicher Zustand sein müsse. Stimmt nicht, sagt die moderne Schlafmedizin: Schlaf ist ein Wechsel zwischen verschiedenen körperlichen und geistigen Zuständen. 

Einschlummern: Schlafphase NonREM-1

Begleiten wir einmal Herrn K. auf seinem Weg durch die Nacht. Es ist 23:30 Uhr und Herr K. ist gerade zu Bett gegangen. Er schließt die Augen. Sein Bewusstsein wechselt vom aktiven in den passiven Wachzustand. Bilder und Gedanken vom Tage steigen auf – Herr K. beginnt zu dösen. Wissenschaftlich wird dieser Zustand als Stadium NonREM-1 bezeichnet. Es ist ein Übergangszustand zwischen Wachen und Schlafen. Mit Eintritt in dieses Stadium beginnt der Körper seine Muskulatur zu entspannen, Blutdruck und Herzfrequenz sinken.

Der Blutdruckabfall im Innenohr, wo unser Gleichgewichtssinn sitzt, täuscht dem Gehirn ein plötzliches Fallgefühl vor und man schreckt hoch Dr. Tillmann Müller, Schlafexperte

Bei diesem Herunterfahren kann es schon einmal kleine Unstimmigkeiten geben: Der eine Muskel entspannt schneller als der andere – ein plötzliches Zucken ist die Folge. Je schneller man vom Wachzustand ins Dösen verfällt, desto wahrscheinlicher treten solche normalen Schlafstörungen auf.

Leichtschlafphase NonREM-2 sowie Tiefschlaf NonREM-3 und -4

Nach einiger Zeit hat sich der Kontakt zur Außenwelt weiter gelockert. Herr K. ist in das Leichtschlafstadium NonREM-2 eingetreten. Zu Beginn der Nacht wird er rasch weiter in den Tiefschlaf fallen, der in der Schlafmedizin als NonREM-3 bezeichnet wird. Die Atmung ist jetzt verlangsamt, Blutdruck und Herzfrequenz sind gesunken. Auch die Muskelspannung reduziert sich immer mehr. Viele Menschen beginnen zu schnarchen, denn im Bereich des Gaumens bewirkt die nachlassende Muskelspannung, dass weiche Gewebeteile im Luftzug geräuschvoll flattern.

Während die Aktivität von Herz und Kreislauf im Tiefschlaf auf ein Minimum sinkt, beginnt unser hormonelles System jetzt aktiv zu werden. Es schüttet zu Beginn der Nacht große Mengen Wachstumshormone aus. Sie sind wichtig für die Erholung und Reparatur unseres Zellgewebes. Aber keine Sorge: Auch wenn Sie nur ruhig daliegen und dösen, wird Ihr Hormonsystem aktiv.

Plötzlich wieder voll aktiv: der REM-Schlaf

Nach etwa anderthalb Stunden wird Herr K. kurz wach und dreht sich auf die Seite. Seine Augen beginnen sich bei geschlossenen Lidern intensiv zu bewegen. Sein Gehirn und Kreislauf werden wieder aktiv: Herzschlag und Atmung beschleunigen sich. Tatsächlich ist Herr K. nicht aufgewacht, sondern gerade in den REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement bzw. schnelle Augenbewegungen) eingetreten. Er träumt. Man vermutet, dass diese besonders aktive Schlafphase wichtig ist, Erlebtes zu verarbeiten und im Langzeitgedächtnis zu speichern. Sie soll auch der Erholung unseres Nervensystems dienen.

Da Herr K. ein gesunder Mann ist, hat er, während er träumt, eine Erektion. Ursache sind aber nicht die Trauminhalte. Der Grund ist die hohe Aktivität von Kopf und Körper. Bei Frauen ist die Klitoris stark durchblutet. Während Herr K. träumt, ist er gelähmt und liegt ganz entspannt da. Im REM-Schlaf wird die Muskelspannung aufgehoben beziehungsweise aktiv blockiert. Sonst würden wir all das, was wir gerade träumen, auch ausführen.

Mit der Schlaflähmung hängt das Gefühl in Albträumen zusammen, dass man weglaufen möchte, aber nicht von der Stelle kommt.Dr. Tillmann Müller, Schlafexperte

Schlaf, ein fortlaufender Zyklus

Die erste REM-Phase in der Nacht dauert nur wenige Minuten. Danach schläft man wieder leichter. Gefolgt von einer erneuten Tiefschlafphase. Nach weiteren anderthalb Stunden folgt die zweite REM-Phase, die meistens schon etwas länger ist. So geht es in 90-Minuten-Zyklen durch die Nacht. Bereits ab dem ersten Schlafzyklus wird der Tiefschlaf weniger und hört gegen Morgen ganz auf. Stattdessen nehmen der Leichtschlaf und der REM-Schlaf immer mehr zu. Herr K. wacht häufiger auf.

Gerade nach längeren Tiefschlaf- und REM-Schlafphasen muss der Körper sich einmal drehen, um ausreichend durchblutet zu sein. Diese Lageveränderung kann der Kopf aber nur dann regeln, wenn Herr K. einmal kurz wach wird. Die Erwartung, die ganze Nacht müsse aus tiefem Schlaf bestehen, ist von der Natur gar nicht vorgesehen. Jemand, der morgens aus einer langen Tiefschlafphase wach würde, hätte erst einmal Probleme, sich zurechtzufinden und den Tag zu beginnen.


Header- und Teaserbild: Plainpicture © Ute Mans 

Seitenspalte

     
     
 
close
close
close
close
Ihre Lesezeichen