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Positiv, wenn Angst im Rahmen bleibt

„Jeder Mensch hat Angst“

Wie viel Angst ist gesund? Prof. Fallgatter von der Universität Tübingen weiß, wann Angstpatienten Hilfe brauchen und was hilft. 

Professor Dr. Andreas J. Fallgatter ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Tübingen und Experte für Angststörungen.

Herr Prof. Fallgatter, wie viele Menschen mit Angststörungen gibt es in Deutschland?

Man schätzt, dass es etwa 15 bis 20 Millionen Angsterkrankte in Deutschland gibt. Dabei verteilt sich diese Zahl auf die verschiedenen Angststörungen wie Panikstörungen, spezifische Phobien, soziale Phobien, generalisierte Angststörungen und Zwangsstörungen.

Warum haben wir überhaupt Angst?

Das Gefühl der Angst dient seit jeher dazu, in Gefahrensituationen schnell und angemessen zu reagieren. Wer Angst hat, ist aufmerksamer, nimmt seine Umgebung deutlicher wahr und der Körper bereitet sich auf eine mögliche Reaktion – Flucht oder Angriff – vor. Angst war also für unsere Vorfahren überlebenswichtig. Und das ist sie heute noch, auch wenn die Angstauslöser sich seit damals geändert haben.

Wie weit kann uns Angst im normalen Leben helfen, außer dass wir in einer Gefahrensituation schnell reagieren?

Angst kann zum Beispiel anspornen, bestimmte Dinge zu tun oder an seine Grenzen zu gehen und diese zu überwinden. Das alles ist positiv, wenn die Angstgefühle in einem angemessenen Rahmen bleiben. Wird die Angst zu stark, kann sie lähmen und wir werden handlungsunfähig.

Ab wann spricht man von einer Angststörung?

Jeder Mensch hat Ängste. Sei es vor einer schweren Krankheit, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder allgemein Zukunftsängste. Das alles ist noch normal, solange die Angst nicht den Alltag einschränkt. Bei einer Angststörung ist die Angst unangemessen und unrealistisch. Die Betroffenen leiden unter der Angst, ziehen sich immer mehr aus der Außenwelt zurück und schränken sich immer stärker ein. Das kann soweit gehen, dass sie nicht mehr oder nur noch in Begleitung die Wohnung verlassen können.

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