Jeder kann singen!

Mit Übung und Profitipps können auch Sie singen. Unser Film zeigt drei Anfänger, die lernen wollten, die Töne zu treffen und ein Liedchen zu trällern.

Singen ist eine Leidenschaft, die weder Altersgrenzen noch soziale Unterschiede kennt, ein Hobby, das jeder ausüben kann, praktisch überall und zum Nulltarif. Zudem ist Singen eine simple Strategie, um die eigene Stimmung positiv zu beeinflussen. Das einzige Werkzeug, das wir dazu brauchen, tragen wir immer bei uns: unsere Stimme!

Ob wir einen Gassenhauer anstimmen, unsere Stimme im Chor trainieren oder beim Radiohören mitträllern: „Singen mobilisiert psychische und körperliche Kräfte, die uns helfen können, Stress zu verarbeiten und zu entspannen“, sagt Gunter Kreutz, Professor für Systematische Musikwissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. „Wissenschaftlich am besten gesichert ist, dass Singen positiv auf das seelische Wohlbefinden wirkt.“

 

Singen ist Balsam für die Seele

Singen kann sowohl aktivierend als auch beruhigend wirken. Dieser Effekt lässt sich bereits durch Vorsingen bei Babys erreichen, haben Forscher aus Kanada und Japan herausgefunden. Sie untersuchten, wie sich die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Speichel von Säuglingen veränderte, wenn ihnen ihre Mütter vorsangen.

Ergebnis: Während die Cortisolwerte der Kleinsten vor dem Singen sehr unterschiedlich waren, liefen sie danach auf einen mittleren Wert zu. „Dies belegt die Effektivität elterlichen Singens für die Gefühlsregulation von Kindern“, erklärt Kreutz.

 

Übung macht den Sänger

Dementsprechend raten Experten Eltern und Großeltern, so oft wie möglich mit ihren Kindern und Enkeln zu singen. „Singen ist eine gute Sprachförderung, hebt die Stimmung, löst Krisen, harmonisiert das Zusammenleben und ist eine wirksame Art, viele Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, fasst der Musikwissenschaftler zusammen. Nicht zuletzt fördert Singen die Stimmentwicklung und legt den Grundstein für lebenslange Freude an der Musik.

„Du kannst nicht singen!“ Wer diesen Satz als Kind oder Jugendlicher gehört hat, dem wird die Freude am Musizieren oft ein Leben lang verleidet. „Töne zu treffen wird oft überbewertet“, bestätigt Professor Kreutz. „Klar hören wir sofort heraus, wenn falsch gesungen wird. Mit einer guten Anleitung und Übung wird dieses Problem aber sehr klein und man kann sich auf das konzentrieren, worauf es ankommt: die Melodien, Texte, Botschaften und Gefühle, die in der Musik mitschwingen.“

 

Deutsche singen gerne in Gemeinschaft

Für etwa vier Millionen Menschen in Deutschland gehört gemeinschaftliches Singen zum Leben, so eine aktuelle Statistik des Deutschen Musikinformationszentrums. Allein dem Schwäbischen Chorverband sind fast 3.000 Chöre mit rund 72.000 aktiven Sängern angeschlossen.

Und es gibt für fast jeden Musikgeschmack das passende Angebot: Vom Männergesangverein über den Gospelchor bis bin zum Showchor, der Gesang mit Tanz und Bühnenchoreografie kombiniert, reicht die bunte Landschaft. „Einfach mal unverbindlich an einer Chorprobe teilnehmen und selbst spüren, wie sich das Singen positiv aufs Wohlbefinden auswirkt“, rät Schuldekan und Chorleiter Wolfgang Weiß aus Bad Mergentheim allen, die ihre längst in Vergessenheit geratene Singstimme wieder nutzen möchten.

 

Singen stärkt die Atemwege

Singen erzeugt nicht nur Glücksgefühle und Wohlbefinden, sondern fördert auch die Gesundheit. „Es ist gut für die Lungenfunktion, da das Ausatmen beim Singen verlangsamt und die Ventilation der Lungen besser ist als beim Sprechen“, erläutert Professor Kreutz.

Selbst Menschen, die aufgrund der weit verbreiteten chronischen Lungenkrankheit COPD unter Atemnot leiden, können vom Singen profitieren, hat eine Studie aus England gezeigt. Die Atemtechnik und das Allgemeinbefinden von COPD-Patienten verbesserten sich durch regelmäßige Gesangsstunden in der Gruppe.

 

Singen lässt Herzen gleichschlagen

Auch auf das Immunsystem hat Singen vermutlich einen positiven Einfluss. „Mehrere Studien legen nahe, dass gemeinsames Singen die Immunabwehr in den oberen Atemwegen anregt“, so Kreutz. Das kann helfen, Atemwegsinfekten Paroli zu bieten.

Zudem zeigte eine schwedische Studie, dass beim gemeinsamen Singen die Herzen der Sänger im gleichen Takt schlagen, was sich unter anderem positiv auf das Wir-Gefühl und den Zusammenhalt in der Gruppe auswirken kann.


 

     

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