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So gelingen Veränderungen

Zeit für Neues: Doch wie gehe ich große Veränderungen im Leben geschickt an? Psychologe Roland Kopp-Wichmann hat Tipps für den Neustart. 

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Diplom-Psychologe Roland Kopp-Wichmann arbeitet als Coach und Persönlichkeitsberater in Heidelberg. Er trainiert Führungskräfte und hält Vorträge.

Herr Kopp-Wichmann, woran merkt der Mensch, dass es Zeit für eine Veränderung ist?

Ein typisches Anzeichen ist die Unzufriedenheit: Wer jeden Morgen lustlos zur Arbeit geht, sich ständig über die winzige Wohnung ärgert oder die Treffen mit alten Schulfreunden langweilig findet, sollte die Gründe seiner Unzufriedenheit hinterfragen. Oft ist sie ein zuverlässiger Hinweis, dass das Leben neue Impulse braucht. 

Woran liegt es, dass Veränderungen oft viel zu lang hinausgezögert werden?

Hier spielen die eigenen Ängste und der Umgang mit ihnen wichtige Rollen. Ob neuer Job, Umzug oder Trennung: Jeder Neuanfang im Leben ist mit einem Verlust verbunden und birgt ein gewisses Risiko. Sehr ängstliche Menschen, sogenannte Vermeider, scheuen sich vor solchen Risiken. Sie haben oft eine pessimistische Grundhaltung: „Das kann ja gar nicht klappen!“ „Es wird bestimmt noch schlimmer werden!“ Solche Einstellungen sind hemmend. 

Was können „Vermeider“ tun, um ihre negative Grundhaltung zu verändern?

Sie sollten sich bewusst machen: Ängstlich zu sein, ist Teil der Persönlichkeit und nichts Schlechtes. Zu einem Problem wird die Angst aber, wenn sie lähmend wirkt, handlungsunfähig macht. Auf einem guten Weg ist, wer zu der Überzeugung kommt: „Ich habe Angst vor diesem Schritt, werde ihn aber trotzdem gehen!“

Ermutigend kann es sein, sich an Situationen im Leben zu erinnern, in denen man Neues gewagt hat und daran gewachsen ist: der Auszug aus dem Elternhaus, der Beginn einer Ausbildung, der erste Langstreckenflug … Alles hat funktioniert – also wird auch die nächste Veränderung gelingen. Auch Gespräche mit risikofreudigen und mutigen Menschen können helfen, Bedenken über Bord zu werfen. 

Wann ist es sinnvoll, eine Veränderung sofort anzugehen?

Immer dann, wenn sie uns wichtig ist und dringlich erscheint. Grundsätzlich hat jeder Mensch die Wahl, eine unangenehme Situation – zum Beispiel eine unglückliche Partnerschaft – auszuhalten oder zu verändern. Je größer der persönliche Leidensdruck, umso sinnvoller ist es, gleich etwas zu tun.

Eine Veränderung sofort angehen, heißt aber nicht, übereilte Entscheidungen zu treffen. Anstatt dem Partner also die Koffer vor die Tür zu stellen, kann es sinnvoll sein, eine Vision zu entwickeln: Wie müsste unser Zusammenleben aussehen, damit ich mich in der Partnerschaft wieder wohl und aufgehoben fühle?

Und wann kann es besser sein, einen Neustart auf später zu verschieben?

Sicherlich, wenn die Zeit, die Energie oder die Voraussetzungen dafür fehlen. So kann es besser sein, mit dem Bau eines Hauses zu warten, bis die Kinder aus dem Windelalter raus sind oder sich die persönliche, finanzielle Situation entspannt hat. Bestimmt ist es sinnvoll, den beruflichen Neustart in einer anderen Stadt nicht ausgerechnet dann voranzutreiben, wenn pflegebedürftige Eltern versorgt werden müssen oder sich Nachwuchs ankündigt.

Zu viele Herausforderungen auf einmal können überfordern. Auf der anderen Seite gilt aber: Wer auf den idealen Zeitpunkt wartet, wird Neues vermutlich immer wieder auf später verschieben. Ein Sprichwort sagt: „Wer etwas will, der findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“

Sprung ins kalte Wasser oder Masterplan: Wie geht man eine Veränderung richtig an?

In der Regel ist ein planvolles Vorgehen besser. Egal ob man die Wohnung renovieren oder sich beruflich verändern möchte: Hilfreich ist es, sich ein Ziel zu stecken und dann Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten. 

Gilt das auch für „gute Vorsätze“, die ja auch eine Veränderung mit sich bringen?

Auf jeden Fall: Wer zehn Kilo abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören und so in einen neuen, gesünderen Lebensabschnitt starten möchte, profitiert von einem klar formulierten, realistischen Ziel. Zusammen mit einem guten Plan für den Weg dorthin. Beste Chancen, ans Ziel zu kommen haben Menschen, die kleine Schritte gehen und sich für Erreichtes mit einem positiven Gefühl belohnen – sich zum Beispiel für jedes verlorene Kilo etwas gönnen, einen Kinobesuch, eine CD oder ein schönes Buch. 

Und wann geht der Neustart meist schief?

Zum einen, wenn man übereilt handelt oder weitreichende Entscheidungen unüberlegt trifft. Wer beispielsweise Hals über Kopf seinen Job kündigt und sich in eine Selbstständigkeit stürzt. Hohe, persönliche Erwartungen oder unrealistische Ziele stehen Veränderungsabsichten ebenso im Weg. 

Wie erkenne ich nach dem Aufbruch zu neuen Ufern, ob ich auf dem richtigen Kurs bin?

Eine selbst geplante Veränderung soll das Leben bereichern, es besser, interessanter vielleicht sogar insgesamt lebenswerter machen. Das gilt für den Arbeitsplatzwechsel genauso wie für das Vorhaben, regelmäßig Sport zu treiben. Es lohnt sich deshalb immer mal wieder hinzuschauen, was die Veränderung gebracht hat: einen interessanteren Job, mehr Freizeit, eine bessere Figur, ein Plus an Fitness?

Wer mit den ersten Ergebnissen der Veränderung zufrieden ist, befindet sich sicher auf dem richtigen Kurs. Wer allerdings feststellt, dass der neue Weg zu steinig ist, in eine Sackgasse führt oder Frust erzeugt, muss ihn nicht weitergehen. Ich kann jederzeit im Leben meinen Kurs korrigieren und sagen: Es ist Zeit für eine Veränderung! 

     

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